In 2018 hat die Firma Spryker zwei sehr anspruchsvolle Whitepaper veröffentlicht, die sich mit den Themen “Conversational Commerce” und “Car Commerce” auseinandersetzen. Für beide der kostenlosen Whitepaper kann ich wärmstens eine Empfehlung aussprechen, da diese nicht nur gut recherchiert sind, sondern auch einige praktische Informationen bieten. Sie geben einen spannenden Ausblick auf das, was uns in naher Zukunft alles erwarten wird.

Bestimmt haben Sie sich bei dem Titel schon gefragt: “Jetzt auch noch shoppen im Auto?”.  Auch mit dem Hintergrund, dass wohl viele ihre ernüchternden Erfahrungen mit den teils schwerhörigen und begriffsstutzigen Sprachsteuerungen bekannter Automarken, wie VW, BMW oder Mercedes gemacht haben. Genau an diesem Punkt möchte ich mit dem nun hier folgenden Artikel ansetzen und aufzeigen, dass die Technologie der Chatbots uns komplett neue Möglichkeiten im Auto eröffnen wird. Das Jahr 2018 hat uns bereits viele Weichen gestellt und gerade die Ereignisse aus den letzten beiden Wochen sind für den “Car Commerce” ein wahres Sprungbrett.

Lesen Sie hier was auf uns zukommen wird und was heute schon möglich ist!

Was soll “Car Commerce” eigentlich sein?

Ich möchte hier nochmal kurz auf meinen Artikel zum Thema Chatbots für Shopware von Anfang des Jahres verweisen, da viele Leute einen Chatbot immer noch für einen reinen textbasierten Bot im Facebook Messenger halten. Die wohl meist genutzten Chatbots (in unseren Breitengraden) sind Amazon Alexa, der Google Assistant und Siri von Apple. Und genau hier möchte ich mich etwas von den Spryker Whitepapers abheben, bzw. diese eigentlich mehr zusammenführen.

Eine offizielle Definition für”Car Commerce” gibt es nicht. Demzufolge sind hier unterschiedliche Sichtweisen gestattet, welche ich mir hier auch herausnehme. Da unsere Autos immer digitaler werden, z.B. mit immer größeren Touch-Displays in der Mittelkonsole und einer mobilen Internetverbindung, sind sie auch ganz zwangsläufig ein Touchpoint für E-Commerce-Unternehmen. Der potentielle Kunde ist somit nicht mehr nur noch im Büro am PC, zuhause auf dem Sofa am Tablet oder unterwegs am Smartphone, sondern auch im Auto immer ständig online. Alleine schon wegen  der Nutzung von Kartendiensten (z.B. Google Maps) oder Musik (z.B. Spotify).

Diesen Touchpoint würde ich als Grundlage für den Begriff “Car Commerce” definieren.

Google und Amazon beherrschen das Auto

Das Spryker Whitepaper ist stark auf die Autoindustrie zugeschnitten. Ich vertrete jedoch die felsenfeste Meinung, dass die Autobauer es zu lange versäumt haben, gute Software in Ihre Modelle einzubauen. Stattdessen haben sie dieses Feld den aus der Tech-Branche üblichen Playern (z.B. Google) überlassen. Hier werde ich auch durch eine Studie von JD-Power (Quelle: www.jdpower.com) aus Kundensicht bestätigt. Ich erinnere mich nur zu gut an den “Sprachassistenten” im Audi als abschreckendes Beispiel. Über eine Minute hat es gedauert, bis man eine Adresse per Sprache “eingeben” konnte. Wenn man denn richtig verstanden wurde.

Du sollst fahren und nicht shoppen

Trotz der immer größeren Touch-Displays in der Mittelkonsole muss man sich als Fahrer ja trotzdem (noch) auf den Verkehr konzentrieren. Eine Horrorvorstellung, dass jemand auf der Autobahn nicht auf die Straße guckt, sondern nur auf das Display. Und genau an dieser Stelle kommen die digitalen Sprachassistenten ins Spiel. Dank der immer besser werdenden Spracherkennung und vor allem auch des Sprachflusses kann sich ein Fahrer auf den Verkehr konzentrieren und trotzdem per Sprache gezielt andere Funktionen steuern.

Doch was hat sich nun dieses Jahr getan, dass sich “Car Commerce” in bestehende und neue Fahrzeuge ausbreiten und einen neuen Vertriebskanal für Händler ebnen könnte?

Android Auto bekommt den Google Assistent

Beim “Android Auto” handelt es sich um eine bereits seit Jahren eingesetzte Technik von Google, bei der Android Smartphone-Apps auf die Touch-Displays in der Mittelkonsole spiegelt. Android-Auto ist bei mittlerweile über 500 Automodellen verfügbar und “ersetzt” das System vom Autohersteller. Analog verhält es sich bei Carplay von Apple. Die beiden bestehenden Systeme beschränken sich wie schon erwähnt auf die Nutzung von Karten und Musikprogrammen.

Bisher war es in Deutschland so, dass bei Android-Auto der Google-Sprachassistent zum Einsatz kam, mit dem man die grundlegenden Funktionen seines Android-Betriebssystems steuern konnte. Dies ändert sich gerade, denn Google implementiert den Google Assistant in Android Auto, sodass eben nicht mehr nur Smartphone-Apps gesteuert werden können, sondern auch die “Actions for Google” durch einen Chatbot. Hierzu drückt man einfach die Sprechtaste im Auto oder sagt “Hey Google” und schon kann man aus dem Auto heraus auch mit einem Shop interagieren!

Wie sowas aussehen kann, ist in dem folgenden Video zu sehen, wo per Google-Assistant ein Kaffee bei Starbucks bestellt wird.

Amazon Alexa via Echo Auto

Auch Amazon möchte mit seinem Sprachassistenten Alexa unbedingt ins Auto. Hierzu wurde jüngst ein Adapter vorgestellt, der Alexa direkt ins Auto bringt und mit dem Smartphone verbunden ist.

Quelle: Amazon.com

Für Amazon Alexa können auf sehr einfache Art und Weise s.g. Skills programmiert werden. Ähnlich wie beim Google Assistent kann hier der Chatbot zum Einsatz kommen, wodurch eine Interaktion auf sprachlicher Ebene mit dem Shop ermöglicht wird.

Android Auto fest implementiert

Dank Apple und Google haben wir Apps lieben gelernt und können diese auch nur noch schwer aus unserem Alltag wegdenken. Einen richtigen App Store in den “moderneren” Autosystemen sucht man jedoch vergeblich. Man stelle sich auch mal vor, dass jeder Autohersteller seinen eigenen App Store auf eigener technischer Basis erstellt. Das wären für App-Ersteller dutzende von technischen Plattformen für die entwickelt und gewartet werden müsste. Der Kunde ist zudem unter Umständen überfordert, denn er hat ja bereits seine gewohnte und präferierte Plattform (z.B. Android). Schon jetzt sind die Systeme der Autohersteller schon überflüssig, da sich Android Auto über das des Autoherstellers schon heute einfach darüber legt und zeigt somit die Misere der Autohersteller. Dieser Prozess wird sich auch nicht mehr umkehren!

Nun hat das erste Autokonsortium von Renault-Nissan-Mitsubishi einen Deal mit Google abgeschlossen und Google wird mit Android das gesamte Software-seitige System ab 2021 stellen. Mit aktuellen Zahlen kann man davon ausgehen, dass ab 2021 rund 11 Millionen Autos direkt mit Android und somit auch mit dem Google Assistant ausgeliefert werden. Dies könnte der erste Schritt gewesen sein, weitere Autohersteller wie jetzt z.B. Volvo ins Boot zu holen.

Google Voice Ads im Auto

Der eine oder andere Marketingmanager wird bei dem Titel sicherlich hellhörig. Aber keine Sorge, die “Google Voice Ads” gibt es so noch gar nicht und sind von daher erstmal ein Blick in die Glaskugel. Folgendes Szenario liegt dieser Überlegung jedoch zugrunde: Google pumpt Milliarden von Dollar in die Entwicklung des Google-Assistant und verdient direkt aktuell damit erstmal rein gar nichts . Viele Suchanfragen, worin Google’s Kerngeschäft mit den Adwords liegt, werden durch den Google Assistant abgelöst (z.B. “Wie wird das Wetter morgen auf Mallorca?”). Zählen wir 1 und 1 zusammen, dann können wir uns einfach mal denken, dass Google hier sicherlich mit wenigstens einem Produkt im Advertising Bereich kommen wird.

Man stelle sich eine Voice Ad wie eine Push Notification auf dem Smartphone vor. Kurz, knackig und proaktiv! Doch wie sollen Voice Ads ausgespielt werden? Wir selbst haben für ein paar Kunden von uns ein KI-Modell zur optimalen Versendung von Push-Notifications erstellt. Dank diesem KI Modell werden die besten Versandzeiten vorhergesagt, so dass diese Push Notification eine möglichst hohe “Intention Rate” erzielt. Ganz grundlegend wird diese Rate erzielt, wenn der Kunde sich eh gerade an seinem Smartphone befindet, was bei einer Voice Ad auch gegeben sein müsste.

Für Google ist das nun ein leichte Spiel, da es ja ganz genau weiß, wann der Kunde im Auto sitzt und gerade auf dem Weg von der Arbeit ist. Das gesamte Verhalten eines Kunden im Auto wäre für Google somit nachvollziehbar. Beispiel: Max Müller interagiert gerne eher auf der Heimfahrt bei Stau und konvertiert zum Kauf deutlich häufiger, wenn er die Playlist “Entspannter Jazz” über Youtube Music hört.

Zusammenfassung “Car Commerce”

Dank der großen Tech Konzerne wie z.B. Google werden wir im Automobilbereich einen deutlich verbreiteteren Standard bekommen, als das vor einer Weile noch absehbar war. Die riesigen Investitionen gerade in Sprachassistenten, die nun ebenfalls fest im Auto verankert werden (und in vielerlei Hinsicht heute schon sind), lassen das Auto zu einem weiteren potentiellen Touchpoint für Händler aller Art werden. Das muss auch nicht zwangsläufig ein klassischer Hemden- oder Sneaker-Händler sein, sondern kann sich natürlich auch z.B. um einen Coffeeshop oder Tankstelle handeln.

Als technische Grundlage werden hier Chatbots zum Einsatz kommen, welche so natürlich auch beim Kunden zu Hause (z.B. im Google Home oder in der Alexa Mikrowelle) zum Einsatz kommen werden. Für Händler bedeutet dies eine deutliche Erleichterung und macht diesen Vertreibsweg so überhaupt erst realistisch. Es wird neue Targeting-Möglichkeiten geben (z.B. wie die hier genannten Voice Ads), aber eben auch ganz neue Formen der Content-Unterhaltung. Geschriebener Content im Shop-Blog macht hier natürlich wenig Sinn. Über den Voice Chatbot können aber Geschichten rund um das Unternehmen, die Marke und die Produkte erzählt werden und das sogar interaktiv. Die Zukunft ist spannend!

 
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